Die Goethe-Sammlung in Budapest besitzt bedeutende Buchbestände. Balthasar Elischer sammelte mit besonderer Vorliebe illustrierte sowie Erst- und Prachtausgaben bzw. Werke, die Goethe als Quelle für seine Bücher verwendet hat, Übersetzungen und zeitgenössische Fachliteratur. Der Bücherbestand, der heute etwa 1.500 Bände zählt, wird in der Handschriftenabteilung der Ungarischen Akademie der Wissenschaften aufbewahrt.

Besonders wertvoll unter den frühen Ausgaben sind zwei Werther-Editionen (zwei Raubdrucke) aus dem Jahr 1775: die eine erschien in Bern, die andere in Düsseldorf und Hanau. Zu den Büchern, die Goethe inspirierten, gehört das älteste Stück der Sammlung: die aus dem Flämischen ins Lateinische übersetzte und überarbeitete Ausgabe des Reineke Fuchs aus dem 16. Jahrhundert. Vom 1587 zum ersten Mal gedruckten Faustbuch befindet sich ein Faksimile aus dem Jahr 1884 in der Sammlung.

In der Reihe der deutschsprachigen illustrierten Bücher sind eine Ausgabe des Römischen Carnevals von 1789 und die Farbenlehre aus dem Jahr 1842 besonders zu erwähnen. Bemerkenswert sind auch zwei Faust-Bände: Unter Zeitgenossen wurde die mit Zeichnungen von Moritz Retzsch illustrierte Ausgabe besonders hoch geschätzt (Stuttgart: Cotta 1855). Der Band mit Kopien nach den Kupferstichen des französischen Malers Delacroix ist ein weiteres kostbares Stück der Sammlung (Leipzig: Insel 1912).

Einmalig reich ist die Sammlung an ungarischen, französischen, italienischen und englischen Übersetzungen der Werke Goethes. Der französische Werther von 1845 erschien in der Übersetzung von Pierre Leroux und mit dem Vorwort von George Sand, die italienische Ausgabe des Hermann und Dorothea wurde von Jagemann im frühen 19. Jahrhundert übersetzt. Eine Kuriosität ist die dänische Werther-Ausgabe aus dem Jahr 1909, übersetzt von Anders W. Holm.

Goethe betegszobája. Wilhelm Wieger rajza. In: Uő.: Weimarische Interieurs aus der Goethezeit. Weimar: Kiepenheuer [1912] (MTAK 397.885)

Einen wichtigen Teil der Sammlung bilden die in Ungarn nur hier vorhandenen Handbücher und Bibliografien sowie die Bände, die vom Goethe-Kult zeugen. Die großformatigen Bildbände über das Leben des Dichterfürsten sind kostbare Zeugnisse historischen Buchwesens. In diese Gruppe gehören August Diezmanns 1860 herausgegebenes Weimar-Album über das Leben Goethes und seiner Zeitgenossen, Wilhelm Wiegers Zeichnungen über Goethes Weimarer Umgebung aus dem frühen 20. Jahrhundert sowie die prächtige Ausgabe mit Goethe-Darstellungen von Hermann Rollett aus dem Jahr 1883.

Zum Schluss befinden sich in der Sammlung alle Gesamtausgaben der Werke Goethes, die zu seinen Lebzeiten erschienen sind bzw. noch zu seinen Lebzeiten begonnen wurden, angefangen von Goethens Schriften in drei Bänden (Berlin 1775–1776) bis zu Goethe’s Werken. Vollständige Ausgabe in 60 Bänden. Diese Ausgabe wurde zwischen 1827 und 1842 im Verlag Cotta aufgelegt.

Text: János Véber
Handschriftenabteilung der Bibliothek der
Ungarischen Akademie der Wissenschaften
Die Leiden des jungen Werthers. Berner Ausgabe von 1775
Das römische Carneval. Handkolorierter Kupferstich aus der illustrierten Ausgabe von 1789.
Zur Farbenlehre. Illustrierte Doppelseite aus der Cotta-Edition von 1842
Lateinische Übersetzung von Reineke Fuchs. Das älteste Stück der Sammlung stammt aus 1567.