Im Jahr 1986 schenkte Julius Elischer der Ungarischen Akademie der Wissenschaften 180 Schattenbilder mit Darstellungen Goethes und seiner Zeitgenossen. Der österreichische Kunsthistoriker Hermann Rollett (1819-1904) charakterisiert Elischer als den „ersten bedeutenderen Sammler von Goethe-Bildnissen“, als den „begeisterten verdienstvollen Goethe-Verehrer“, der „die von ihm längst angelegte, einzelne Unica enthaltende Sammlung in entgegenkommendster Bereitwilligkeit dem Verfasser zur Benützung überließ“. Rolletts 1883 herausgegebener Katalog Die Goethe-Bildnisse ist die erste bedeutende Arbeit über die Gattung des Schattenbildes.

Schattenbild Goethes aus dem Jahr 1762

Die sogenannten „Schattenbilder“ oder „Silhouetten“, aus schwarzem Papier herausgeschnittene oder mit schwarzer Farbe auf weißes Papier gemalte und manchmal mit heller Farbe konturierte Profildarstellungen, kamen um die Mitte des 18. Jahrhunderts in Mode. Sie wurden gerne und häufig kopiert, oft auch vervielfältigt. Zwei von den insgesamt sechs Schattenbildern Goethes, die heute in der Budapester Sammlung vorhanden sind, sind Unikate.

Ein solches Unikat ist die Arbeit aus dem Jahr 1762, die in Rolletts Verzeichnis die Nummer II trägt: Das Bild porträtiert Goethe als hübschen jungen Mann mit langen Augenwimpern und mit zum Zopf geflochtenen Haaren. Auf der Rückseite ist die mit Tinte geschriebene Inschrift „Goethe“ zu lesen. Das zweite Unikat ist ein Brustbild aus dem Jahr 1780, das Goethe schlank und fein darstellt (Rollett Nr. XXIV.). Das ausgeschnittene schwarze Tonpapier verleiht der Zeichnung einen ovalen Rahmen und somit den Charakter eines Medaillons. Das Bild hängt an einer mit Blumen verzierten quadratischen Wand, unter ihm ist in zeitgleicher Handschrift der Text „Johann Wolfgang Goethe der deutsche Shakespear. Sein Berlichingen, Clavigo, Werther brachten ihn zuerst in Ruf“ zu lesen.

Das Goethezeitportal enthält eine reiche Auswahl von auf Postkarten reproduzierten Goethe-Schattenbildern.

In Julius Elischers Schenkungsbrief sind 20 Goethe-Medaillenin ihrer Hülle verzeichnet. Heute ist in der Budapester Sammlung ein verglaster Holzkasten mit 33 Medaillen und einer Plakette zu finden.

Verglaster Holzkasten mit Goethe-Plaketten und -Medaillen

Mehrere Stücke in der Sammlung wurden vom aus Neutra gebürtigen österreichischen Künstler Stefan Schwartz (1851–1924) entworfen, zum Beispiel die im Auftrag des Wiener Frauenvereins erarbeitete Gedenkmedaille zum 100. Todestag Friedrich Schillers. Auf der Rückseite der mit einem Aufhängering versehenen Bronzemedaille sind eine beflügelte Frauenfigur mit der Laute und ein beflügelter Jüngling mit Fackel zu sehen.

Die Goethe-Plakette des Österreichers Franz Stiasny (1881–1941) ist ebenfalls in Bronze gegossen. Die viereckige Form der Medaille ist typisch für Stiasnys individuellen Stil.

Ein besonderes Stück der Sammlung ist die Bronzemedaille aus dem Jahr 1857, eine Darstellung der Weimarer Doppelstatue von Goethe und Schiller. Die von den Augsburgern Medaillenkünstlern Sebald und Drentwett entworfene Medaille verewigt auf der Rückseite das Dichterpaar, auf der Vorderseite Großherzog Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach.

Text: Brigitta Szabó
Rückseite
Schattenbild Goethes aus dem Jahr 1780
Goethe-Plakette aus Bronze, Entwurf Franz Stiasny
Medaille aus dem Jahr 1857 mit Goethes und Schillers Weimarer Doppelstatue

Verglaster Holzkasten mit Goethe-Plaketten und -Medaillen (T/143)