Die drei Bände des Gästebuchs des Goethe-Zimmers

In den 50 Jahren, in denen das Goethe-Zimmer bestand, füllten sich drei Gästebücher mit den Unterschriften und Einträgen seiner Besucher. Der letzte Eintrag des ersten Bands ist vom 2. Juni 1905 datiert, der des zweiten Bands vom 23. November 1931 und der letzte Eintrag eines Besuchers in der noch intakten Ausstellung stammen vom 1. April 1943. 

Seite aus dem zweiten Band. Der Eintrag mit Gedicht und Zeichnung stammt vom 26. Juni 1916 aus der Feder des Fritz Wimmer aus Sachsen
Die erste Seite des ersten Bands mit Signaturen von Nobilitäten vom Tag der feierlichen Eröffnung des Goethe-Zimmers vom 31. Mai 1896

Die Goethe-Verehrer trugen meist Namen, Wohnort und den Zeitpunkt ihres Besuchs in die Bücher ein, einige von ihnen huldigten dem Dichterfürsten auch mit Gedichten oder Zeichnungen. 

Montags, mittwochs und freitags von 10 bis 12 Uhr konnte das Goethe-Zimmer kostenlos besichtigt werden, an den übrigen Tagen war 1 Krone (ermäßigt 50 Kreuzer) Eintrittsgebühr zu zahlen. Der Katalog war für 30 Kreuzer erhältlich.

Über die feierliche Eröffnung der Ausstellung am 31. Mai 1886 hat Der Pester Lloyd bereits am nächsten Tag ausführlich berichtet. Aus dem Bericht wissen wir, dass zu diesem besonderen Ereignis neben der namentlich erwähnten Prominenz aus Politik und Wirtschaft „auch zahlreiche vornehme Damen der Gesellschaft sich eingefunden hatten“.

Die erste Seite des ersten Bands u.a. mit Signaturen von „vornehmen Damen der Gesellschaft“

Der erste Unterzeichner des Gästebuches am Tag der Eröffnung war der Schriftsteller und Politiker Antal Zichy – Bruder des Malers Mihály Zichy –, damals Präsident 1. Klasse der Ungarischen Akademie Wissenschaften (MTA). Als Mitglied des Magnatenhauses und der Kisfaludy-Gesellschaft schloss Zichy gerade zu jener Zeit seine Monografie über Graf István Széchenyi ab. Der zweite Eintrag im Gästebuch stammt vom Sohn des Grafen, dem Großgrundbesitzer Béla Széchenyi, der als leidenschaftlicher Reisender eine der erfolgreichsten Ostasienexpeditionen seiner Zeit organisiert hatte. Die beiden Nobilitäten eröffnen einen langen Namenskatalog von anwesenden Parlamentsabgeordneten, Akademiemitgliedern, Dichtern, Universitätsprofessoren und Gymnasiallehrern, Ärzten, Juristen und Künstlern.

Die vornehmen Damen der Gesellschaft sind unter anderem durch Frau Gyula Elischer, Frau Vilmos Goldzieher, verw. Frau Aurél Jurenák, Eszter Jurenák, Frau Ágost Heller Georgina Bolberitz, Frau Dr. Gyula Janny Gizella Zlamál und Minna Grill mit Signaturen vertreten – die meisten von ihnen signierten neben ihren Ehegatten auf der zweiten Seite des ersten Gästebuches.

Die vielen tausend Einträge in den nächsten fünfzig Jahren wurden am Ende des dritten Gästebuches durch einen russischen Gardemajor vermutlich mit klassischer Bildung und leider unleserlicher Unterschrift abgeschlossen, der seinen Besuch am 5. Mai 1945 im vor den Kämpfen ausgelagerten und von einer Bombe getroffenen Goethe-Zimmer mit der Bemerkung kommentiert: „Die Goethe-Ausstellung ist leider sehr dürftig.“

Die letzte Seite des dritten Bands des Gästebuchs mit Eintrag und unleserlicher Unterschrift eines russischen Gardemajors vom 5. Mai 1945

                          Text: Dr. Márta Nagy

Ungarische Goethe-Gesellschaft

Die ersten Seiten des Gästebuchs des Goethe-Zimmers erhalten die Signaturen der prominenten Besucher der feierlichen Eröffnung am 31. Mai 1896

Auf der ersten Seite des Gästebuches stehen nach Antal Zichy (1823-1898) und Béla Széchenyi (1837-1918) unter anderen die folgenden Namen:

Károly Szász (1829-1905), Bischof der reformierten Kirche, Schriftsteller und Übersetzer, Mitglied der Kisfaludy-Gesellschaft, einer der ersten ungarischen Nachdichter der Gedichte von Goethe; ab 1898 war er Zichys Nachfolger als Präsident der ersten Klasse der Akademie.
Kálmán Szily (1838-1924), Physiker und Sprachwissenschaftler, Professor an der Technischen Universität Budapest, war ab l889 Generalsekretär der Akademie.
Károly Vadnay(1832-1902) war Schrifteller und Journalist, als Mitglied der Kisfaludy-Gesellschaft und der Akademie der Wissenschaften spielte er eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen Leben der Hauptstadt.
Tamás Vécsey (1839-1912) war Jurist, Universitätsprofessor, Mitglied der Akademie der Wissenschaften und Abgeordneter, in jungen Jahren Hauslehrer des (später als Physiker berühmt gewordenen) Loránd Eötvös.
Dr. J.H. Schwicker (1839-1902) war Obergymnasial-professor und Abgeordneter.
Ábrahám Léderer (1827-1916) war Erzieher und Autor für pädagogische Fachliteratur, einer der Gründer des ungarischen Frauenindustrievereins und Förderer der Ferienkinderheime.
Dr. Albert Szilágyi stammte, wie Elischer, aus Preschau, er unterrichtete als Gymnasiallehrer Deutsch und Französisch.
József Prém  (1850-1910), , Schriftsteller und Übersetzer; er war Hauslehrer bei der Familie des Landwehrgenerals Mór Perczel.
Dr. Vilmos Goldzieher (1849-1916) war Privatdozent und praktizierender Augenarzt, Cousin des Orientalisten Ignác Goldzieher.
Von Jenő Nagy weiß man soviel, dass er als Privatsekretär in Budapest tätig war; er war Mitglied der „Zwanglosen Vereinigung von Literatur- und Kunstfreunden“, die als Vorläuferin der Ungarischen Goethe-Gesellschaft gilt.

Auf der zweiten Seite sind nach den vornehmen Damen der Gesellschaft (unter anderem sind Frau Gyula Elischer, Frau Vilmos Goldzieher, verw. Frau Aurél Jurenák, Eszter Jurenák, Frau Ágost Heller Georgina Bolberitz, Frau Dr. Gyula Janny Gizella Zlamál und Minna Grill mit Signaturen vertreten) neben anderen folgende Namen zu finden:

Mihály Rattner (1843-1922), Dechantpfarrherr, ab 1894 Konsistorial-Assessor.
Prof. Dr. Gyula Janny (1842-1816) , Chirurg, Gründer des Krankenhauses vom Roten Kreuz, Organisator der Krankenschwesterbildung in Ungarn.
Sándor Bertha (1843- 1912) war Komponist, Klavierkünstler und Musikkritiker, er lebte in Paris.
Der in Preschau geborene Conrad Burchard-Bélavary (1837-1916) war Wirtschaftsexperte und Abgeordneter. Er war einer der ersten Mitglieder des Magnatenhauses.

Die erste Seite des ersten Bands mit Signaturen von Nobilitäten vom Tag der feierlichen Eröffnung des Goethe-Zimmers vom 31. Mai 1896
Die zweite Seite des ersten Bands u.a. mit Signaturen von „vornehmen Damen der Gesellschaft“