Die sogenannten „Reliquien“, die Gegenstände also, die mit Goethe unmittelbar zu tun haben, waren immer die meist bewunderten Stücke der Sammlung. Vieles wurde von Elischer persönlich erworben, einiges kam später durch Schenkung oder Ankauf dazu – die Tatsache aber, dass Goethe diese Objekte persönlich besaß, machte sie für Sammler und Publikum besonders wert- und reizvoll. Als Julius Elischer der Akademie die Sammlung seines Onkels schenkte, bestand er darauf, dass die Reliquien weiterhin in seinem Eigentum bleiben und nur „auf Wunsch zeitweilig“ ausgeliehen werden.

Goethe weilte gerne in Karlsbad und Marienbad. Der Sammler Balthasar Elischer hielt sich ebenfalls regelmäßig an diesen böhmischen Kurorten auf. Als Erinnerung an den Dichterfürsten ließ er am Marienbader Gasthof „Zur Goldenen Traube“ eine Gedenktafel anbringen. Er nahm 1879 an der Einweihung des „Goethe-Steins“ in Eger (heute Cheb) und 1884 an der Enthüllung des Goethe-Denkmals auf dem Kammerbühl teil.

Aus Karlsbad stammt eine der bekanntesten Reliquien seiner Sammlung: jenes geschliffene Glas, das wir zum Hauptmotiv unseres Kalenders wählten. Den Trinkbecher mit dem Goethe-Medaillon des Bildhauerpaars Antoine Bovy und Christian Daniel Rauch bekam der Dichter von der Karlsbader Kurdirektion als Geschenk. Er gab ihn in Weimar an die Klaviervirtuosin Maria Szymanowska weiter. Von ihr gelangte das edle Stück zu Dr. Ignaz Löblin nach Berlin, der ihn schließlich Elischer schenkte, in dessen Sammlung das Glas „seinen bewährtesten Platz“ fand.

Ebenfalls zur Sammlung gehört ein Dessertteller aus sächsischer Fayence, den Goethe in seinem Jenaer Gartenhaus, später in Weimar benutzte. Eine besonders wertvolle Reliquie gelangt direkt aus dem Besitz des Weimarer Hofarchivars Burghardt zu Elischer: die auf blauen Samt montierten „silberweißen Haare von Goethe’s Scheitel“ sollen bei der Anfertigung der Totenmaske seinem Haupt entnommen worden sein.

Text: Dr. Márta Nagy
Ungarische Goethe-Gesellschaft
Geschliffenes Glas mit Goethe-Medaillon, sogenanntes „Karlsbader Glas“
Goethes Dessertteller
Goethes graues Haar auf blauem Samt mit weißem Medaillon