Weg bei Weimar. Goethes Handzeichnung, 1776-1777

In der Sammlung befinden sich drei Originalzeichnungen Goethes. Die zwei älteren gelangten aus unbekannten Quellen in Balthasar Elischers Besitz.

Auf der ältesten, einer Bleistiftzeichnung aus den Jahren 1776 bis 1777, sind die Skizzen einer Flusslandschaft zu sehen. Sie trägt die Aufschrift Weg bei Weimar (von unbekannter Hand).

Die zweite Handzeichnung stammt wahrscheinlich aus der Zeit von Goethes italienischer Reise (1886–1888) und zeigt auf einem Blatt zwölf einzelne, von 396 bis 408 durchnummerierte Kohlezeichnungen. Außer einigen Bäumen und einem Viadukt auf dem Bild Nr. 400 kann hier leider nichts eindeutig identifiziert werden.

Die dritte Zeichnung ist unter dem Titel Der Kammerberg bei Eger katalogisiert. Sie zeigt einen Berghang mit einem Weg, der in Serpentinen zu einem aussichtsturmartigen Gebäude hinaufführt. Rechts vom Weg ist ein kleiner Steinbruch mit drei arbeitenden Männern zu sehen. Rechts unten sieht man jenen kraterförmigen Steinbruch, dessen Bruchlinien und Schichten wohl die Aufmerksamkeit von Goethe auf den Berg gelenkt haben. Diese Tuschzeichnung zeigt den Kammerberg, auch Kammerbühl genannt, in der Nähe des böhmischen Eger (heute: Komorní Hůrka, Tschechien), und zwar von der nordöstlichen Seite.

Goethes Handzeichnungen aus der Zeit seiner italienischen Reise
Der Kammerberg bei Eger. Goethes Handzeichnung, 1808

Goethe, der sich leidenschaftlich für Geologie interessierte, suchte die Gegend insgesamt neunzehn Mal auf. Das Bild entstand während seines ersten Besuchs im Jahr 1808. Er wollte vor allem die Entstehungsgeschichte des Kammerbergs erkunden: Die Zeichnung ist Teil einer Serie, die in der Diskussion zwischen den Vulkanisten und Neptunisten zuerst den Standpunkt der ersten, später den der zweiten Gruppe unterstützen wollte.

Dasselbe Thema behandelt der in der Sammlung ebenfalls vorhandene Aufsatz Der Kammerberg bei Eger sowie einige Aufzeichnungen Goethes in den Tags- und Jahresheften.

Umschlag des Aufsatzes Der Kammerberg bei Eger aus der Budapester Sammlung

Auf der Zeichnung mit dem Kammerberg ist die Echtheitsbestätigung durch den Bergrat Gustav Schueler aus Jena zu sehen. Das Stück kam aus seinem Besitz in die Elischer-Sammlung, ähnlich wie der Autograf mit Zeichnungen von Kristallen.

Als Goethe die Gegend um Eger im Jahr 1819 erneut aufsuchte, machte er geographische Notizen über die Kobes-Mühle in der Nähe. Diese Aufzeichnungen sind in einem Autografen der Sammlung zu lesen (K115/5).

Im Band Zweiundzwanzig Handzeichnungen von Goethe. 1810, 1888 im Auftrag der Goethe-Gesellschaft Weimar herausgegeben, sind zahlreiche ähnliche Landschaftszeichnungen Goethes reproduziert, die meisten mit Kommentaren versehen. Auf dem Goethezeitportal ist die vollständige digitalisierte Version dieses Buches zugänglich.

Text: Hanna Ongjerth
Katholische Péter-Pázmány-Universität, Piliscsaba
Goethes eigenhändige Notiz über die Kobes-Mühle. Autograf (K 115/5)

So beginnt der Aufsatz Der Kammerberg bei Eger von Goethe:

„Der Kammerbühl (Hügel), sonst auch der Kammerberg, hat seinen Namen von einem benachbarten Waldbezirke und einer dortigen Anlage weniger Häuser, die Kammer genannt. Er zeigt sich, wenn man von Franzenbrunn nach Eger geht, etwa eine halbe Stunde rechts vom Wege, wird kenntlich aus einem offenen Lusthäuschen auf seiner Höhe und merkwürdig durch vulcanische Producte aus denen er besieht. Ob sie echte oder pseudovulcanische seyen, kann die Frage entstehen; aber man neige sich auf welche Seite man will, so wird bei diesem Falle wegen besonderer Umstände manches problematisch bleiben.

Wir gaeben zu unserer Darstellung gerne ein Kupfer und legten dabei eine Sammlung zum Grunde. Denn wenn man gleich mit Worten vieles leisten kann, so ist es doch wohlgethan bei naturlichen Dingen die Sache selbst oder ein Bild vor sich zu nehmen, indem dadurch jederman schneller mit dem bekannt wird, wovon die Rede ist. Indessen ob ‚uns gleich hier beides abgeht, so unterlasse ich doch nicht diesen Aufsatz mitzutheilen.“

Johann Wolfgang von Goethe: Der Kammerberg bei Eger. In: Taschenbuch für die gesammte Mineralogie mit Hinsicht auf die neuesten Entdeckungen von Karl Caesar Ritter von Leonhard. Jg. 3 (1809), S. 3. (MTAK 397.132)

Kobes-Mühle

Goethe beschreibt im abgebildeten Autographen die Kobes-Mühle in der Nähe des Kammerbergs wie folgt:

Sie liegt an der Rohlau, einem starken an Fischern vorbeifließenden Bache, aufwärts in einem anmutigen Tale. Der Hügel über derselben ist basaltisch, meist in größern und kleinern Kugeln. Doch finden sich auch kleine säulenförmige, sowohl fest als verwitterlich. Diese letzteren, gleichfalls mehrseitig, zeigen sich bei Verwitterung schalig gebildet, so daß nach innen die Kanten immer abgestumpfter hervorgehen, bis die Mitte kugelförmig wird. Dergleichen finde nun an dem Orte nicht mehr, vielleicht zeigten sie sich wieder bei einigem Nachgraben. Auf der Oberfläche jedoch zeigen sich kugel- oder eiförmige Körper, beim Aufschlagen schalig. Man hat sie nicht mit Unrecht Pseudo-Ätiten genannt, weil die eigentlichen Adlersteine gleichfalls schalenweise Kugel in Kugel enthalten. Die Basalt-Lager des Kobeshügels mögen auf Steinkohlen geruht haben, die sich entzündeten und eine schwere Schlakkenart hervorbrachten, welche sich von allen vulkanischen und pseudovulkanischen Produkten auf den ersten Anblick unterscheiden läßt.

Vorbenannte Erzeugnisse sind in gegenwärtiger Sammlung folgendermaßen geordnet worden.
Pseudo-Ätiten mit hohlem und ausgefülltem Innern.
Säulenförmiger dichter Basalt.
Desgleichen kugelförmig.
Schwere Schlacken mit bezeichnender, brei- und wurmartiger geflossener Oberfläche.
Dergleichen.
Poröse Schlacke, ohne gedachte Oberfläche.

12. September 1819.

 

Anmerkung von Gustav Schueler

 Goethes Handschrift
 
Gustav Schueler
 Jena 1841.

Johann Wolfgang von Goethe: Kobes-Mühle [Geographische Notiz]. C[arls]b[ad], 12. Sept. 1819. Autogr. mit Anmerkung von Gustav Schueler. Jena 1841. W.A.: II/13. 373. p. (K115/5)