Umschlag der Kaulbachschen Goethe-Galerie

Goethe war zeit seines Lebens von außergewöhnlichen Frauen umgeben – was sich auch in seinen Werken ausdrückt. In der Elischer-Sammlung sind einige von ihnen verewigt.

Der Maler und Illustrator Wilhelm von Kaulbach (1805–1874) wurde vom Verlag Cotta beauftragt, Stahlstiche zur Illustration klassischer Werke der Literatur anzufertigen. Die mit 36 Abbildungen illustrierte Ausgabe von Goethes Reineke Fuchswar seine wohl erfolgreichste Arbeit. Den Auftrag zur Abbildung von Frauenfiguren, die Goethe nahestanden, erhielt Kaulbach von einem anderen Verleger, von Friedrich Bruckmann. Seine 1857 bis 1864 entstandenen Kreidezeichnungen bilden die Grundlage zur berühmten Goethe-Gallerie. Die Besonderheit dieses Buches besteht darin, dass hier zum ersten Mal der Druck großformatiger fotographischer Reproduktionen (48×68 cm) dank einer besonderen Technik erfolgreich realisiert werden konnte. Das komplette Werk mit 21 Blättern war ein Renner: 1866 wurde es in verschiedenen Ausfertigungen, im Leinen-, Kalbsleder- und Schmuckeinband, mit Fotodrucken oder mit Kupferstichen angeboten; auch einzelne Blätter waren käuflich. Dem Geschmack der Zeit entsprechend malte Kaulbach Goethes Frauen als liebevoll naive und romantische Gestalten. Die als Engel gezeichnete Mignon zum Beispiel illustriert das 2. Kapitel von Buch VIII in Wilhelm Meisters Lehrjahren.

Mignon als Engel. Illustration von Wilhelm von Kaulbach
Porträt der Angelika Kauffmann. Kupferstich aus dem Jahr 1858

EDas Porträt der Angelika Kauffmann (1741–1807) hat Balthasar Elischer auf einer seiner zahlreichen Reisen in Deutschland erworben. Die neoklassizistische Malerin, die von Herder als „vielleicht cultivierteste Frau Europas“ bezeichnet wurde, verbrachte ihre Jugend in Italien. Nach einem längeren Aufenthalt in London ließ sie sich endgültig in Rom nieder, wo ihr Haus zum bedeutenden Treffpunkt von Künstlern und Aristokraten wurde: Kaiser Joseph II., Großherzogin Anna Amalie und Johann Gottfried Herder verkehrten hier häufig. Goethe lernte Angelika Kauffmann 1787 kennen. Schnell entstand eine Freundschaft: Die neue, in Rom entstandene Fassung der Iphigenie, zu der die Malerin mehrere Illustrationen anfertigte, las Goethe in ihrem Salon zum ersten Mal öffentlich vor. In seiner Italienischen Reise berichtet der Dichter zweimal über Leseabende bei Angelika Kauffmann.

Den Brief vom 14. August 1812 hat Goethe aus Karlsbad an Caroline von Wolzogen und Charlotte von Schiller geschrieben. Er dankt darin den beiden Schwestern für die Aufmerksamkeit, die sie seinen Gedichten gewidmet haben und fügt hinzu, dass er in Karlsbad „sein verlorenes Gleichgewicht“ wieder herstellen möchte. Caroline (1763–1847) und Charlotte von Lengefeld (1766–1826) interessierten sich bereits früh für Literatur. Charlotte wurde 1790 Schillers Frau, sie galt als Verkörperung der idealen Hausfrau und Mutter. Caroline war in Literatenkreisen durch ihren Roman Agnes von Lilien (1797) und ihre Biografie Schillers Leben (1830) bekannt. Balthasar Elischer erwarb auch einen Brief Charlottes aus dem Jahr 1787 und zwei Briefe von Caroline aus den Jahren 1832 und 1833 für seine Sammlung.

Text: Éva Csumita
Universität MiskolcDr. Márta Nagy 
Ungarische Goethe-Gesellschaft

 

Goethe an Caroline von Wolzogen und Charlotte von Schiller

Den verehrungswürdigen Schwestern muß ich mit wenigen Worten meinen aufrichtigen Dank für Ihre lieben Blätter abstatten. Ihr Andenken, Ihre Theilnahme hat mich sehr erquickt, und der Beyfall, den Sie meinen Gedichten schenken, hat mich in manchen guten Vorsätzen gestärkt; denn die Aufgabe, der ich auf keine Weise ausweichen konnte, war bedenklich und schwer, deswegen es für mich einen großen Werth hat, wenn fühlende und einsichtige Personen mit der Art zufrieden sind, wie ich sie gelößt habe. Der Fall ist wunderlich genug, daß man bey einer Production, welche die größte Freyheit verlangt, diplomatische Rücksichten nehmen soll.

In Töplitz hatte ich die Freude den braven Staatsrath Langermann zu sehen. Seine Klarheit und Thätigkeit ist bewunderungswürdig; der Zustand hingegen, in dem er wirkt, traurig und hoffnungslos. Dieß aber schlechthin nicht anzufechten; er thut das Seinige mit Heiterkeit und Vertrauen.

Mögen Sie Sich von der Überbringerinn wohl erzählen lassen, wie Übles und Gutes bey mir seit acht Wochen bedeutend abgewechselt, und wie ich mich hier noch auf einen Monat eingerichtet habe, um wo möglich das Verlorene Gleichgewicht wieder herzustellen. Erhalten Sie bis zu meiner Rückkunft mir ein freundliches Andenken und erlauben mir alsdann manchen mündlichen, vertraulichen Vortrag.

Carlsbad den 14. August 1812.

G.

Goethe an Caroline von Wolzogen und Charlotte von Schiller. Carlsbad, 14. Aug. 1812. Handschrift von C. John mit autogr. Signatur. 2 fol.. W. A.: IV/ 23. 68. p. (K 115/33)