Die Budapester Sammlung besitzt einen umfangreichen Bestand an Druckschriften über Goethe und die Goethezeit. Diese stammen teils von Elischer selbst, teils wurden sie nach 1896 durch Schenkungen oder Ankäufe erworben. Neben den zahlreichen Prachtausgaben waren die Übersetzungen der Werke Goethes die Schmuckstücke des ehemaligen Goethe-Zimmers.

Neben zahlreichen französischen, italienischen und englischen Übersetzungen gibt es sogar eine ganz besondere, eine neugriechische Ausgabe der Iphigenie auf Tauris (Goethii: Iphigenie Graece. Berolini apud Weidmannos MDCCCLXI, Sign. MTAK 397.0839). Das Drama ist 1832, dem Todesjahr Goethes, in der Übersetzung des Dichters und Bischofs János Kis (1770–1846) auf Ungarisch erschienen. Es war die erste ungarische Übersetzung des 1786 entstandenen Werkes. Kis war Schüler des Gelehrten und Dichters Ferenc Kazinczy (1759–1831), der als Initiator des Goethekultes im ungarischen Gelehrtenkreis gilt. Kazinczy verfolgte 1805 die Aufführung des Iphigenie-Dramas in Wien mit großer Begeisterung. Da er selbst aber nicht den Mut hatte, das Drama zu übersetzen, gab er den Auftrag seinem Schüler János Kis weiter. Kis lieferte eine gewissenhafte, literaturgeschichtlich gesehen wichtige, literarisch aber kaum bedeutende Übersetzung. Die heute anerkannte Übersetzung stammt vom Dichter und Literaturhistoriker Mihály Babits aus 1930.

Zu Goethes Lebzeiten sind sogar drei verschiedene ungarische Übersetzungen seines berühmten Romans Die Leiden des jungen Werthers entstanden: zwei sind tatsächlich gedruckt worden, die dritte ist Manuskript geblieben. Grundlage für sie alle war die erste Fassung des Werthers von 1774. Eigentlich war es aber die zweite, bearbeitete Fassung von 1787, die in Deutschland und in Europa weit verbreitet und viel gelesen wurde. Sie konnte man auf Ungarisch 1864 in der Übersetzung des jung verstorbenen Dichters, Jenő Bajza (1840–1863), lesen. Diese Erstausgabe besorgte Elischer für seine Sammlung.

Goethe wurde in Italien, in dem Land, wo er seine Iphigeniebeendete, als der „Dichter des Werthers“ verehrt. Seine Italienische Reise kam in ungarischer Übersetzung als spätere Schenkung in die Sammlung. Der Übersetzer Aladár Bálint (1881–1924), Kritiker und Novellist der Autorengruppe „Nyugat“, widmete die 1922 erschienene Ausgabe dem Goethe-Zimmer der Ungarischen Akademie der Wissenschaften.

Text: Ágnes Simon-Szabó
Universität Szeged

Iphigenie auf Tauris. Die Übersetzung von János Kis in einer späteren Ausgabe
Umschlag der ungarischen Werther-Ausgabe von 1864
Titelblatt der ungarischen Werther-Ausgabe von 1864
Italienische Reise auf Ungarisch mit Widmung des Übersetzers (1922)
¹ Az ifjú Werther gyötrelmei. Fordította Kissolymosi Simó Károly. Pest, 1823 
(modern kiadása: 1975) ill. Az ifjú Verther' gyötrelmei levelekben.
Fordította az eredeti kiadásból Koszta József. Esztergom, 1827

² Bölöni Farkas Sándor: Az Ifju Werther Gyötrelmei (1818) – kéziratban, kiadás alatt