Im Bestand der Sammlung befinden sich 202 Manuskripte: 40 sogenannte Goethe-Autografen, das heißt eigenhändige Schriften von Goethe, und weitere 162 Manuskripte, verfasst von Goethes Zeitgenossen.

Ein Teil der Autografen stammt ganz von Goethe, der Rest trägt seinen Schriftzug als Unterschrift. 

Rätsel von der Kartoffel (K115/2) „Morgens rund, mittags gestampft, Abends in Scheiben Dabey will ich bleiben Wiesbaden d. 1 Sept. 1814 Goethe“

Sie sind verschiedensten Inhalts: Neben Gedichten, wissenschaftlichen Notizen, Briefen und Aktenstücken sind hier auch flüchtige Aufzeichnungen aus dem Alltagsleben zu finden.

Von Goethes täglichen Geschäften zeugen unter anderem eine Einladung an Professor Riemer (K115/24), ein Briefumschlag an Dr. Bothe nach Mannheim (K115/9), ein Leihzettel der Universitätsbibliothek Jena (K115/14) sowie ein Auftrag für den Dienstboten mit der Notiz von Goethes Enkel Walter (K115/6), zudem eine Anweisung für den künftigen Gärtner des Jenaer großherzoglichen botanischen Gartens (K115/36).

Das Konzept über den Granit mit eigenhändigen Zeichnungen von Kristallen (K115/4), die Bleistiftnotiz über die Tausend und eine Nacht (K115/7), die Originalhandschrift des kleinen Gedichts Modernes (K115/1) sowie ein Vierzeiler, ein Rätsel von der Kartoffel (K115/2) sind wahre Schmuckstücke der Sammlung.

Unter den 14 Briefen, die Goethe selbst schrieb, befinden sich zwei besonders wertvolle: sein Schreiben an Herder von 1789 über den Lateinunterricht des Herzogs Constantin (K115/20) und der Brief an den Berliner Hofmusikdirektor Reichardt von 1791 über das Weimarer Theater und die eigene Farbenlehre(K115/23).

Text: Ágnes Simon-Szabó
Universität Szeged

Goethes eigenhändige Notiz über den Granit

 

Der Granit ist durch Krystallisation entstanden.

An ihm ist keine Gravitation zu bemerken.

So auch die nächsten Gebirge an ihm.

 

Je weiter es von ihm weg kommt, je mehr nimmt die Schwere überhand, bis zuletzt bey den Flözen nur eine Spur von Krystallisation übrig bleibt.

Der ganze Bau unserer Erde ist aus der Krystallisation zu erklären.

 

 

Beweis aus seinem innern.

 

Romé de lísle.

Saussure.

Kirwan.

Aus seinem Äußern.

Bonis über die Regelmäßigkeit.

Allgemein.

Ganz und Flözkluft.

Triviale Namen beybehalten.

 

Anmerkung von Gustav Schueler Goethes Handschrift

 

Gustav Schueler

 

Jena 1841.

Der Granit ist … – Autogr. mit Zeichnungen von Kristallen und einer Anmerkung von Gustav Schueler, (K115/4)

Brief an Johann Friedrich Reichardt

„Meine bekannte Schreibescheue hat diese Zeit her so mancherley Entschuldigungen gefunden daß meine Freunde wenig von mir gehört haben, ich ermanne mich heute um auf Ihren Brief zu antworten. Ich freue mich Sie hier zu sehen, und wenn ich Ihnen gleich kein Quartier anbieten kann (der Schweizer Meyer, dessen Sie Sich aus Venedig erinnern bewohnt meinen obern Stock) so sollen Sie doch übrigens auf das freundlichste empfangen seyn; ich hoffe Zeit genug zu finden die wichtigen Angelegenheiten der fünf Sinne mit Ihnen abzuhandeln.

Mein Optisches Wesen und Treiben empfehle ich Ihrer fortdauernden Aufmerksamkeit es freut mich wenn Sie die Art der Behandlung mehr als die Sache ergötzt hat. Sie werden in der Folge noch wunderbare Dinge zu sehen kriegen, und wenn ich mich nicht sehr irre so wird die Neutonische [Newtonische] Hypothese von diverser Refrangibilität [Spaltung] der Lichtstrahlen, von ihrer Spaltung in sieben, oder Gott weiß wie viel, bunte einfache Strahlen wie eine alte Mauer zusammen fallen, wenn ich nur erst ihr Fundament werde untergraben haben. Denn einer so wohlvertheidigten Vestung ist blos durch miniren anzukommen. Ich werde Versuch an Versuch stellen und die Theorie nicht eher vortragen biß sie jeder aus den Versuchen selbst nehmen kann und muß.

Lassen Sie uns die Akustik gemeinsam angreifen! Diese großen Gegenstände müssen von mehreren aber zu gleicher Zeit bearbeitet werden wenn die Wissenschaft fortrücken soll. Ich kann mich nicht genug auf die Chymie und auf den chymischen Theil der Naturlehre berufen. Eine Wissenschaft kann nie das Besitzthum eines einzigen werden und wenn sie es eine Zeitlang wird, so schadet auch ein solcher außerordentlicher Menschen indem er nutz, oft beydes in gleichem Maaße. Ich muß nur langsam gehn aber ich freue mich schon sehr über die Teilnahme, die thätige nämlich, die ich von allen Seiten bemerke. Besonders hat das Alter unter vielen Nachtheilen den Vortheil daß es nun Jugend hinter sich steht, die zum neuen Luft hat. Gewiß es war mit eine Absicht als ich die Kärtchen zum Vortrag wählte diese sinnlichen Eindrücke unter die Kinder zu verbreiten, ich hoffe in einigen Jahren soll das alles anders aussehen. Lassen Sie uns conferiren und jeden von seiner Seite arbeiten, ich habe mich schon mit einem Mahler und Mathematiker innig associirt und hoffe bald für die übrigen Fächer auch nahe und reine Verbindungen. Leben Sie wohl und grüßen die Ihrigen. Schreiben Sie mir wenn Sie kommen.“

W. d. 17. Nov. 1791.

G.

Weimar, 17. Nov. 1791, Autogr.
2 fol., W.A.: IV/ 9. 289. p. (K115/23)