Abgebrochener Goethe-Kopf aus Porzellan

Der berühmte Hellersche Katalog, der im Jahre 1896 den Bestand der Budapester Sammlung erfasst hat, zählt fünf Goethe-Büsten auf: je ein Original von Alexander Trippel und Christian Friedrich Tieck, bzw. je eine Kopie von Rauch, Bovy und Schaper. Die Fotos von Mór Erdélyi zeigen allerdings, dass das Goethe-Zimmer um das Jahr 1900 über mehr Büsten und Kleinplastiken verfügte.

Laut Katalog beherbergt die Handschriftensammlung der Akademie heute einen abgebrochenen Goethe-Kopf und drei Goethe-Büsten aus Porzellan. Die eine stellt den alten Goethe dar – es geht wohl um eine Kopie nach Rauch –, die zweite den jungen Dichter, die dritte zeigt Goethe im reiferen Alter.

Der alte Goethe
Büste mit der Aufschrift „Goethe“

In der Kunstsammlung der Akademie ist Goethe als Apollon zu sehen: Diese Statuette aus Gips könnte das im Katalog erwähnte Trippelsche Original sein. Die Wirtschaftsabteilung der Bibliothek beherbergt zwei Goethe-Statuetten aus Bronze, die Goethe im Hausrock zeigen. Die beschriebenen Gegenstände stehen für die Vielfalt der künstlerisch-schwärmerischen Darstellung im Zeichen des Goethe-Kults.

Goethe gehörte bereits zu Lebzeiten zu den meistporträtierten Menschen seiner Zeit. Nach seinem Tod erfreuten sich die Büsten und Skulpturen aus Bronze und Marmor sowie deren Kopien aus Gips und Porzellan einer außerordentlichen Popularität. Wohlhabende Bürger und Aristokraten sammelten hingebungsvoll diese Kultobjekte, die dann als wichtige Beweise für ihre Bildung und Kunstliebe ihre eleganten Domizile schmückten. Auf die Leidenschaft der Sammler reagierten die Porzellanmanufakturen der Zeit schnell, so etwa die Fürstenberg-Manufaktur, die dem Bedarf entsprechend Kopien von berühmten Goethe-Skulpturen in allen Größen anbot.

Goethe wurde mit Vorliebe in antikem Gewand abgebildet, umso mehr als diese Darstellungsweise seiner eigenen Kunstauffassung entsprach. Eines der bekanntesten Stücke ist die idealisierte Büste von Gottlieb Martin Klauer aus dem Jahr 1778. Eine Medaille des Berliner Hofbildhauers Gottfried Schadow und eine Büste von Christian Friedrich Tieck, beide über den alternden Goethe, sind zu berühmten Inspirationsquellen zahlreicher weiterer Abbildungen geworden. 

Goethe als Apollon
Goethe im Hausrock

Großer Beliebtheit erfreute sich die Statuette von Christian Daniel Rauch, die Goethe im Hausrock darstellt. Rauch legte sie 1828 bei einem Besuch in Weimar im Modell an und vollendete sie Anfang 1829. Die Statuette wurde von der Berliner Porzellanmanufaktur in Biskuitporzellan produziert, konnte aber auch in Bronze, Elfenbeinmasse oder Gips erworben werden. In der Budapester Sammlung erinnern zwei Statuetten aus Bronze auf das Rauchsche Original.

Das Frankfurter Goethe-Museum hat dem Thema „Goethe: Das Denkmal“ einen eigenen Raum gewidmet, und auf dem Goethezeitportal ist ein bemerkenswerter Artikel über die Goethe-Plastiken als Postkartenmotive zu lesen.

 

Text Mónika Cseresznyák
Westungarische Universität
Universitätszentrum Savaria Szombathely